London ist berühmt für seine kulturelle Vielfalt, und wenn es die zahllosen Einwanderer nicht gäbe so würden die Einwohner sich auch heute noch direkt aus der Fritteuse ernähren. Inzwischen ist es recht einfach, sich hier gut und sogar gesund zu ernähren, sei es nun in indischen, pakistanischen, chinesischen, libanesischen, spanischen oder italienischen Restaurants.
Diese kulinarische Revolution hat das britische Ehrgefühl wachgerüttelt und neuerdings exportieren wir – Dank Jamie Oliver und Co. – unsere eigenen Versionen der Inselküche als eine Fusion der unterschiedlichsten Kochstile. Unser multikultureller Haushalt ist daher für Londoner Verhältnisse keineswegs ungewöhnlich, und das folgende Rezept, wenn auch chilenischen Ursprungs, mindestens genauso Britisch wie der Klassiker Spaghetti Bolognese mit Pommes.
Empanadas gibt es in Südamerika überall, und jedes Land hat seine eigenen Rezepte. Die chilenische Variante ist besonders herzhaft und lecker: eine Art Brotteig, gefüllt mit einer Mischung aus Rindfleich, gekochtem Ei, Oliven und Rosinen. Traditionell werden sie am Unabhängigkeitstag, dem 18. September, gegessen, aber auch an jedem anderen Tag an dem man darauf Appetit hat.
Wir essen sie vor allem wenn meine Schwiegermutter aus Chile zu Besuch kommt, die sie uns in rauhen Mengen zubereitet, mal mit, mal ohne Oliven, Rosinen oder Ei, je nachdem was die Kids so gerade mögen oder nicht mögen. Um unnötige Überraschungen zu vermeiden werden die Taschen dann je nach Inhalt unterschiedlich gefaltet, Chilenisches Origami sozusagen.
Das folgende Rezept reicht für ca. 30 Stück. Das sind, je nach Begeisterung, 6-8 Portionen.
Für die Füllung:
- 4 Zwiebeln, sehr fein gewürfelt
- 750g Rindernacken
- 1 TL gemahlener Kreuzkümmel
- 1 TL getrockneter Oregano
- 1 TL Paprika edelsüß
- 3 Eier
- 20 schwarze Oliven, gewaschen und getrocknet
- 40-60 in Wasser eingeweichte Rosinen
Zuerst das Fleischin kleine Würfel von ca. einem halben Zentimeter Kantenlänge schneiden. In einem schweren großen Topf etwas Öl erhitzen und die Zwiebeln bei geringer Hitze zugedeckt andünsten. Dabei gelegentlich umrühren, damit sie nicht anbräunen.
In einer großen Pfanne etwas Öl erhitzen und darin die Fleischstücke anbraten. Spbald das Fleisch von allen Seiten versiegelt ist wird es mit den Gewürzen zu den Zwiebeln gegeben und gut gemischt. Dann läßt man das Ganze abkühlen.
In einem weiteren Topf werden die Eier in ca. 8 Minuten hartgekocht. Die gekühlten Eier schälen und zur Seite stellen.
Teig:
- 1 kg Mehl
- 125g Schmalz
- 2 Eier
- 1/2 Glas Weißwein
- etwas Wasser
- 1 Ei, geschlagen, zum Betreichen
In einem kleinen Topf ca. 100ml Wasser mit dem Schmalz leicht erhitzen, bis es sich aufgelöst hat.
Auf einer sauberen Arbeitsfläche ddas Mehl mit den übrigen Zutaten zu einem festen Teig verkneten; bei Bedarf mehr Wasser zugeben. Solange Kneten bis der Teig nur noch ein wenig reißt wen man ihn auseinanderzieht.
Den Teigball mit einem Küchentuch abgedeckt 20 Minuten ruhenlassen.
Den Ofen auf 200C erhitzen und ein Backblech mit Backpapier auslegen.

Vorsicht beim Füllen, da man dazu neigt, zu viele Zutaten einzuwickeln, was dann die Taschen zum Platzen bringt
Dann den Teig in 30 Stücke teilen, aus denen man kleine Kugeln formt. Nacheinander die Kugeln dünn ausrollen – idealerweise sollten sie ca. 20 cm Durchmesser haben. eJeweils eine Hälfte im etwas Kleich-Zwiebelmischung, einer Scheibe Ei, einer Olive und 2-3 Rosinen belegen. Dann mit dem geschlagenen Ei bestreichen und falten. Den überschüssigen Teig abschneiden und die Kanten nocheinmal umschlagen und festdrücken, dann die Oberfläche mit dem Ei bestreichen (siehe Foto unten).
Die fertig gefalteten Empanadas auf das Backpapier legen und auf der unteren Schiebeleiste des Ofens in ca. 20 Minuten goldgelb backen. Aus dem übriggebliebenen Teig noch schnell ein oder zwei flache handtellergroße Brötchen formen, diese mit einer Gabel ein paarmal einstechen und auf dem letzten Blech mitbacken.
Die fertigen Empanadas am besten noch warm mit einem Glas chilenischen Rotwein servieren. Man kann aber auch alles auf eine Karte setzen und dazu ein Pils trinken, was dann unter ‘Fusionfood’ fällt.
Eventuell übriggebliebene Empanadas lassen sich aber leicht am nächsten Tag wieder aufwärmen und sind ein idealer Pausensnack. Das passiert uns aber nur wenn die Schwiegermutter die Massenproduktion übernimmt…















Wow sieht sehr lecker aus! Deine Fotos werden immer besser. Versuch mal ob das erste bei Foodgawker akzeptiert wird
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Danke! Ist schon lustig, wie man da in den Sog mit reingezogen wird … eigentlich hatte ich ja nur nach einer Ausrede zum Backen gesucht, und jetzt zerbreche ich mir den Kopf über Blickwinkel und Serviettenmuster;-)
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Nochmals vielen Dank für Deinen Tip – mühsam ernährt sich das Eichhörnchen – langsam klappt’s mit dem foodgawker und das Rezept kam auch beim Guardian gut an. Deine positiven Kommentare haben mir dabei sehr geholfen!
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echt dein Rezept ist beim Guardian? Schick mal einen Link 🙂
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Kam als einer der Rezepte für den Leser-tauschen-Rezepte Beitrag:
http://www.theguardian.com/lifeandstyle/2014/jun/28/picnic-bhaji-cornbread-empanada-recipes-readers-recipe-swap
Hab mich natürlich sehr gefreut – vor allem für meine Schwiegermutter, von der wir das Rezept haben!
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Na herzlichen Glückwunsch!!! Das ist super!!! Also wenn du irgendwelche Tips für Foodgawker hast reich mal weiter weil bei mir hat es leider erst mit 2 fotos geklappt 😦
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Das ist so ein bisschen hit-and-miss – für 3 eingereichte nehmen sie eines, und meine Lieblingsbilder haben sie alle abgelehnt!
Inzwischen schaue ich mir schon vor dem Kochen Fotos von ähnlichen Gerichten an, damit ich eine Vorstellung davon habe, wie ich das Gericht am besten präsentiere. Eigentlich interessiert mich diese Seite des Foodbloggens eher weniger, aber ich merke halt schon wie wichtig die visuelle Komponente für Leser ist. Deine Eislollies fand ich übrigens Klasse! Das Arrangement habe ich auch gleich in meinem Elfenbeinküstenbeitrag kopiert … 😉
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